Berufskatalog -K- des Berufskunde-Verlags

22 Informationen und Alternativen Duale Hochschule siehe Berufsakademie Duales Studium Im Unterschied zum klassischen Studien- gang gibt es beim dualen Studium einen festen Lehrplan. Der entscheidende Vor- teil aber ist die praktische Berufserfahrung im Unternehmen, von der parallel zu den Vorlesungen profitiert werden kann. Die Arbeitszeiten werden vergütet und die Stu- diengebühren übernommen. Der Einstieg ins Berufsleben ist nach Abschluss einiges leichter, auch die Übernahmequoten der Unternehmen sind hoch. E Erstberuf Als Erstberufe gelten: 1. Berufsausbildun- gen, die direkt nach demHaupt-, Real- oder Abiturabschluss begonnen werden (z. B. Zimmermann, Verkäuferin), 2. Berufsaus- bildungen, die nach geeigneten Zwischenlö- sungen ab einembestimmten Alter gemacht werden können (z.B. Pflegefachmann/-frau), 3. Studienberufe (Fachhochschule, Univer- sität, Berufsakademie). Insbesondere Studienberufe, aber auch andere Erstberufe, sind oft auch als Zweitaus- bildung möglich. Europa In den BIZ gibt es auch Informationen zu den Berufsveränderungen und den vielen wechselseitigen Berufsanerkennungen durch die EU. F Fachrichtung (FR) Das ist eine Spezialisierung innerhalb eines Berufs, die im Ausbildungsvertrag festgehalten wird. Die Ausbildung erfolgt gestaffelt: erst eine breite, allgemeine Grundausbildung und dann eine immer stärkere Ausfächerung. Der »Technische Zeichner« z.B. hat fünf Fachrichtungen und der Gärtner sieben. FH-Studium mit Meisterbrief Bundesweit können alle Handwerksmeister ihre Ausbildungmit einem Studium an einer Fachhochschule fortsetzen. Bisher sind gute Erfahrungen damit gemacht worden. Gleich- zeitig erfährt die Handwerkslehre dadurch Aufwertung, und die Durchlässigkeit der Ausbildungen untereinander wird gefördert. Auch in diesem Sinne hat Handwerk einen »goldenen Boden«! Freiwilliges Soziales Jahr Eine gute Möglichkeit, ein Zwischenjahr zu überbrücken, ist ein Freiwilliges Sozia- les Jahr. Das kann in einem Krankenhaus, einem Altersheim, einer Kindertagesstätte usw. geschehen. Hierbei kannmanwertvolle soziale Kompetenzen erwerben, die oft auch bei einer Bewerbung positiv berücksichtigt werden. Nähere Auskünfte erteilt die Berufs- beratung. I Innungen Das sind Vereinigungen von Handwerkern, die – ähnlich wie die Berufsverbände – der Wahrnehmung ihrer Interessen dienen: Es gibt also z.B. eine Maler-Innung, eine Schuhmacher-Innung oder eine Bäcker-In- nung. Wenn du Informationen über einen Hand­ werksberuf möchtest, helfen dir auch die Innungen gerne weiter. K Kammern Kammern sind Vertretungen für Berufs- stände, Aufsichts- und Prüfungsgremien auf gesetzlicher Grundlage. Als selbstver- waltende Einrichtungen sind sie zuständig für die entsprechenden Berufe, überwa- chen und ergänzen die Ausbildungen. Die Handwerkskammer (HWK) zum Beispiel vertritt die Interessen der Handwerksbe- rufe, die Industrie- und Handelskammer (IHK) diejenigen der Industrie, des Handels und der Dienstleistungsbranche usw. Auch Kammern können dir Informationen oder Gratisbroschüren über einen Berufsstand geben, der dich interessiert. Die Adressen für einen Beratungstermin bekommst du bei den Berufsberatungen der Arbeitsagenturen oder direkt im Internet. Kurzpraktikum Was man nur vom Hörensagen kennt, lässt viele Fragen offen. Überzeuge dich selbst! Sobald du ein oder zwei Berufe ausgewählt hast, solltest du in ihnen ein Kurzpraktikum – auch Schülerpraktikumgenannt –machen. Das kannst du ab 14 Jahren tun und dauert meistens eine Woche. Wenn du es nicht im Urlaub machen kannst, brauchst du vom Lehrer eine Bewilligung für den Stun­ denausfall. Im Praktikum erhältst du noch keinen Lohn – dafür aber einen wertvollen Einblick! Einen Kurzpraktikumsplatz findest du, wenn du selbst bei Unternehmen (siehe unser Verzeichnis) nachfragst oder dich an einen Berufsberater oder die betreffenden Berufsverbände wendest und dir Adressen geben lässt. Du wirst beim Googeln zu deinen Rechten und Pflichten bezüglich eines Kurzprakti- kums vermutlich auf weitere Bezeichnun- gen stoßen, die dich verwirren könnten. Mehr dazu erfährst du unter dem Stichwort »Praktikum«. Kurzpraktikumsnutzen Durch das Kurzpraktikum erlebst du die Tätigkeiten und Anforderungen des Beru- fes, der dich interessiert, hautnah und ganz konkret in der Praxis. Dadurch kannst du dann besser entscheiden, ob er dir wirklich Freude macht und ob du deine Fähigkeiten dort gut einsetzen kannst. › Du lernst die Mitarbeiter und den Aus- bildungsbetrieb kennen. Du arbeitest in einem Teamund kannst spüren, ob du dich in diesem Betrieb wohl fühlen würdest. › Du kannst mit Fachleuten und Auszubil- denden des gleichen Berufes sprechen und Fragen stellen. › So hat die Ausbilderin bzw. der Ausbilder Gelegenheit, dich kennenzulernen. Es gibt viele Ausbilder, die Auszubildende erst dann einstellen, wenn sie sie wäh- rend eines Kurzpraktikums kennenlernen konnten. M Mädchen sind groß im Kommen! Immer mehr Ausbildungsbetriebe nehmen heutzutage für ehemals typischeMännerbe- rufe auch gerneMädchen. Das ist nicht allein auf den akutenMangel an Auszubildenden zurückzuführen. Die Betriebe haben eben die Erfahrung machen können, dass Mäd- chen in solchen »Männer«-Berufen genauso gut »ihren Mann« stehen. Darum: Mädchen, nur Mut! Schau dir jeden Beruf gut an, der dich interessiert – egal, ob es ein sogenannter »Männerberuf« ist oder nicht (das Ausbildungsverbot für Mädchen gilt seit 1994 nur noch im Untertagebau). Überleg dir, ob du die gewünschten Fähig- keiten mitbringst, und bewirb dich. Mangelberufe Da es je nach Region sehr starke Nachfra- ge-Unterschiede für die einzelnen Berufe gibt, haben wir darauf verzichtet, gewisse Berufe jeweils speziell als »Mangelberuf« zumarkieren oder vor einem»überlaufenen Beruf« zu warnen. O Online- und E-Mail-Bewerbung Online-Bewerbungenwerden immer belieb- ter. Verständlich – die Unternehmen erhalten die Bewerbung schnell, strukturiert und in einer Form, die sie gut weiterverarbeiten können. Die Unternehmen haben dazu ein spezielles Tool eingerichtet, in das du alle Angaben direkt einfügen kannst. Ob eine Firma wirklich an einer E-Mail-Be- werbung interessiert ist, lässt sichmanchmal nur erraten. Steht auf der Website zentral eine Postadresse und erscheinen auch alle Ansprechpartner bestenfalls mit Telefon- nummer, aber nicht mit einer E-Mail-Ad- resse, so spricht dies für den traditionellen Postweg. Beachte dazu auch unsere Tipps auf Seite 17, dann weißt du, worauf du sonst noch achten solltest. Praktikum Es ist auf jeden Fall sinnvoll, ein Praktikum zu absolvieren, doch es gibt so einige, z.B. das Kurzpraktikum, das Schülerpraktikum, das Vorpraktikum, das Pflichtpraktikum usw. Für einen ersten Einblick in ein Aus- bildungsunternehmen betrifft dich erst ein- mal nur das Kurz- oder Schülerpraktikum. Normalerweise dauert es wenige Tage bis zu einer Woche. Dieses ist ein freiwilliges Praktikum, denn es ist kein Pflichtmodul innerhalb einer schulischen Ausbildung oder eines Studiums. Möchtest du einen tieferen Einblick in einen Ausbildungsbetrieb und seine Berufe erhalten, bietet sich das Betriebspraktikum an. Dieses dauert zwischen zwei bis vier Wochen, zumTeil wird sogar ein Praktikums- vertrag abgeschlossen. Trotzdem darfst du nicht mit einer Vergütung rechnen, du sollst schließlich etwas lernen. Ein Praktikum ist allerdings nicht dazu da, dass du ausgebeu- tet wirst. Zwischen Nehmen und Geben soll ein fairer Ausgleich bestehen. Für deinen Einsatz darfst du deswegen am Ende ein Praktikums-Zeugnis verlangen. Praxisbezug In allen Studienberufen ist Praxis hoch gefragt: Wer immer bereits vor oder wäh- rend seines Studiums praktische Erfah- rungen erwerben kann, holt sich dadurch einen Vorteil für eine spätere Einstellung. Dabei spielt es keine Rolle, ob die prak- tischen Erfahrungen durch Sozialeinsatz, Volontariat, Stellvertretung oder Praktikum erworben werden. Der Einsatz muss u.U. nicht einmal direkt studienbezogen sein! So sind z.B. Wirtschaftspraktika heutzutage bei zukünftigen Priestern und Pfarrern sehr beliebt. Auch ein Tankstellenjob kann für einen Soziologiestudenten bedeutsam sein; ebenso ein Einsatz im Altersheim, z.B. für eine künftige Ärztin oder im Call-Center, z.B. für eine künftige Journalistin. Derar- tige Praktika können – ebenso wie Fremd- sprachenkenntnisse – unter Umständen als Zusatzqualifikationen einmal bei Einstellun- gen den Ausschlag geben. Probezeit Die Probezeit beträgt mindestens einen Monat und kann bei Bedarf auf bis zu drei Monate verlängert werden. Erst danach fällt die Entscheidung, ob es wirklich zu einem Ausbildungsvertrag zwischen Aus- bilder und Auszubildendem kommt. Du solltest die Probezeit gut nutzen, um dir darüber klar zu werden, ob du wirklich diesen Beruf in diesem Betrieb und bei diesem Ausbilder erlernen willst. Denn du wirst ja drei bis vier Jahre dort verbringen! Da lohnt es sich, ganz genau zu prüfen, ob man mit dem Ausbilder und den Kollegen zurechtkommt. Es ist besser, in der Probezeit abzubrechen, als sich durch drei bis vier lange, unbefriedi- gende Jahre mit mäßigem Erfolg zu quälen. S Schwerpunkte Bei manchen Berufen kannst du Schwer- punkte in der Ausbildung setzen, z.B. bei »Maler und Lackierer« einerseits als »Maler« und andererseits als »Fahrzeuglackierer«, mit einer entsprechenden anderen Ausbildung ab dem2. Jahr. BeimBeruf »Kaufmann/Kauffrau für Verkehrsservice« kannst du zwischen den beiden Schwerpunkten »Verkauf und Ser- vice« und »Sicherheit und Service« wählen. Studienberufe Wer ein Studium in Betracht zieht, sollte unbedingt weiterführende Informationsmittel lesen. Die akademischen Berufsberatungen (ebenfalls im Arbeitsamt) verfügen über ausführliche Berufsunterlagen und Einzel- heiten zu den Studienmöglichkeiten an allen Hochschulen Deutschlands. Du kannst die Unterlagen dort in der Bibliothek einsehen oder auch für einige Tage ausleihen. Stufenausbildung Die Azubis einiger Berufe in der Bauwirtschaft z.B. durchlaufen die erste Stufe – das erste Jahr – alle gemeinsam. Im zweiten Jahr teilen sie sich in drei Großß- gruppen, die am Ende dieser Stufe ihren ersten Berufsabschluss als »Hochbaufach- arbeiter/in«, »Ausbaufacharbeiter/in« oder als »Tiefbaufacharbeiter/in« machen. Erst danach, im dritten Jahr, erfolgt die weitere Spezialisierung auf einen der 14 Endberufe (wieMaurer/in, Kanalbauer/in, Stuckateur/in). Auch in der Bekleidungsindustrie gibt es die Stufenausbildung: Nach zwei Jahren ist man »Textil- und Modenäher/in« und nach der Endstufe des dritten Jahres »Textil- und Modeschneider«. T Traumberufe Wenn du deinen Traumberuf noch nicht in diesem Katalog findest: Schau dir auch Beschreibungen von Beru- fen an, die du noch nicht kennst: Vielleicht entdeckst du einen neuen Traumberuf. Denk an unser Motto »Wer schaut, sieht mehr!« Schließlich gibt es rund 350 staatlich aner- kannte betriebliche Ausbildungsberufe. PS: Es gibt Jugendliche, die fast »aus Ver- sehen« an ihren Beruf geraten sind – und

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